Erdentanz von Oka Rusmini

Erdentanz - RusminiWer sich auf seinen nächsten Baliurlaub nicht nur mit einem der üblichen Reiseführer vorbereiten will, dem sei der Roman „Erdentanz“ von Oka Rusmini empfohlen.

Geschildert wird die Geschichte balinesischer Frauen über vier Generationen, beginnend mit Luh Sekar, einem Mädchen der niederen Sudra-Kaste. Dank ihrer Schönheit und ihres tänzerischen Könnens erregt sie die Aufmerksamkeit eines Mannes aus der Adelskaste, der sie auch heiratet. Bald zeigt sich, dass Luh Sekar diesen Aufstieg mit vielen persönlichen Opfern bezahlen muss. In der Folge projiziert sie alle unerfüllten Wünsche und Träume auf ihre Tochter Telaga, die aber ihre ganz eigenen Vorstellungen vom Glück hat. Als Telaga einen Sudra-Mann heiratet, bricht das Kartenhaus des vermeintlichen sozialen Aufstiegs zusammen.

In diesem Roman begegnet dem Leser ein ganz anderes Bali, das so gar nicht dem Mythos von der Insel der Götter entsprechen will. „Erdentanz“ ist ein Porträt der gesellschaftlichen Verhältnisse, die vom Kastensystem geprägt sind, das Männer wie Frauen strengen hierarchischen Strukturen unterwirft. Weil das Buch manch räucherstäbchen-vernebeltem Blick auf meine Lieblingsinsel eine realistische Darstellung entgegenstellt, ist es absolut lesenswert trotz mancher schriftstellerischen Mängel, die vielleicht ohnehin eher der Übersetzung als dem Originaltext anzukreiden sind.

Oka Rusmini, geboren 1967, ist Journalistin bei der „Bali Post“. Zahlreiche Lyrikveröffentlichungen in verschiedenen Anthologien sowie Kurzgeschichten in vielen Zeitungen und Zeitschriften entstammen ihrer Feder. Sie ist verheiratet mit dem Dichter Arif B Prasetyo, einem Ostjavaner. Diese Verbindung erboste aufgrund seiner ethnischen Herkunft und Religion Oka Rusminis Familie so sehr, dass sie sie enterbte.

Oka Rusmini: Erdentanz
Aus dem Indonesischen von Birgit Lattenkamp, 140 Seiten, Gebunden, € 16,90, ISBN 978-3-89502-234-0