Einsichten eines Studenten

SPIEGEL ONLINE - 11. Juni 2007, 10:04
WAS KOSTET DIE WELT?
Bali, scharf und schön
In einer Villa wohnen, mit dem Taxi zur Uni fahren, einen privaten Surflehrer heuern - das kann sich doch niemand leisten. "Auf Bali schon", sagt Friedemann Karig. Der Austauschstudent aus Passau verrät, wie es geht.
Bali - schon der Name der Insel klingt magisch, ruft Bilder von paradiesisch weißen Sandstränden, sattgrünen Reisterassen und Full Moon Partys hervor. "Insel der Götter" wird Indonesiens Urlaubsparadies auch genannt und "Asien für Anfänger". Ein Auslandssemester auf Bali - das klingt verlockend. Aber gibt es da überhaupt eine Uni?
STUDIUM AUF BALI: REIF FÜR DIE INSEL
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Gibt es: die "Udayana University of Indonesia" in Balis Hauptstadt Denpasar, mit einem Ableger auf dem neuen Campus in Jimbaran etwas weiter südlich. Knapp 15.000 Studenten sind in Wirtschaftswissenschaften, Medizin und technischen Fächern eingeschrieben. Studiengebühren für Indonesier: 200 Euro, für Ausländer: 1200 Euro. Hinzu kommt der Interkontinentalflug ab 650 Euro.
Ist das bezahlt, fängt das süße Leben an: Bali liegt preislich höchstens auf Schwellenland-Niveau. Die wichtigste Regel beim Einkaufen lautet: handeln. Hart bleiben, Preise vergleichen, Desinteresse zeigen - bis zu 80 Prozent Preisnachlass kann man so erreichen. Bis auf Restaurantbesuche, Clubs und Supermärkte sind fast alle Dienstleistungen und Waren Verhandlungssache. Also: Sonnenbrille aufs Pokerface und ab in die tropische Liquidität.
Villen & Strandbungalows
Wucherpreise für schäbige WG-Zimmer am Stadtrand? Meterlange Wartelisten fürs Wohnheim? Auf Bali undenkbar, als westlicher Gaststudent wohnt man komfortabel.
Eine im typischen Mix aus Bali-Bambus und europäischer Funktionalität gebaute Villa mit großem Pool, Garten, Klimaanlage und allem anderen westlichen Komfort kostet keine 1000 Euro. Tut man sich zusammen und hat ein bisschen Glück, kann man für 200 bis 250 Euro wie ein König wohnen.
Noch günstiger sind einfache Häuser, Appartements oder Bungalows: Ab 100 Euro im Monat geht es bei konstanten 30 Grad auch ohne warmes Wasser. Diese Unterkünfte haben oft eine Außendusche und wenig Schnickschnack, liegen aber dafür meist in Strandnähe und im Bermuda-Dreieck der Strandgemeinden Kuta, Legian und Seminyak - für Meer, Uni und Nachtleben ideal.
Zur Miete kommen Fixkosten von 10 bis 20 Euro - Wäscheservice, Putzfrau und Internet sind oft im Preis inbegriffen oder relativ günstig. Für Vergnügungen aller Art bleibt also genug Geld übrig. Das Umrechnen ist einfach: 10.000 Indonesische Rupiah entsprechen 90 Cent. Rechnet man immer glatt auf einen Euro um, ist man auf der sicheren Seite.
Fortbewegungsmittel Nummer eins ist das Motorbike. Ein Roller kostet um die 450.000 Rupiah (40 Euro) im Monat, das Benzin 2000 Rupiah (18 Cent) pro Liter. Mit den kleinen Flitzern kommt man zwar schnell und auch ziemlich lässig überall hin, das Fahren im anarchischen (Links-)Verkehr ist aber nicht ganz ungefährlich. Auf jeden Fall einplanen: einen guten Helm (8 Euro), Vorsicht und Glück (unbezahlbar). Eine umfassende Auslandskrankenversicherung für etwa 60 Cent am Tag sowieso.
Bequemer, aber teurer fährt man mit einem der (hell-) blauen Taxis. Immer auf eine Taxameter-Abrechnung bestehen, dann kann man für 8000 Rupiah schon ein ganzes Stück weit kommen. Die knappe halbe Stunde zur Uni darf nicht mehr als 40.000 Rupiah kosten, wenn vier Leute sich zusammentun, ist das durchaus eine längerfristige Option. Preisabsprachen sollte nur treffen, wer sich auskennt. Bluebird, die einzige lizensierte Taxigesellschaft, zu erkennen an ihren dunkelblauen Wagen, ist die verlässlichste Wahl.
Für Road Trips gibt es günstige Mietwagen (Suzuki Jeep ab 80.000 Rupiah pro Tag), Taxis oder Privatfahrzeuge nach Tagespauschale - ein kundiger Fahrer und Guide in Personalunion eingerechnet. Handeln hilft auch hier. Die Ausflüge lohnen sich auf jeden Fall: Die Vulkane im Norden mit ihrer atemberaubenden Peripherie oder die strahlend grünen Reisterrassen um Ubud (Zentralbali) herum sind wahrhafte Sehenswürdigkeiten.
Eine ganz besondere Erfahrung ist auch die Fahrt im Nahverkehrsbus Bemo - sehr voll, langsam und abenteuerlich, aber für Centpreise.
Ab in die Wellen, Dude
Bali gilt als asiatisches Surfer-Mekka und bietet mit der lang gezogenen Bucht von Kuta den vielleicht besten Spot für Anfänger. Wer also länger in der Gegend ist, sollte sich von einem der zahllosen Brettverleiher ein Softboard leihen (etwa 300.000 Rupiah pro Tag) und eventuell gleich einen der entspannten Beach Boys als Lehrer anheuern (maximal 100.000 Rupiah am Tag). Ein Schnupperkurs im Tauchen kostet etwa 20 Euro.

Am Strand liegen und brutzeln ist natürlich gratis. Es kostet nur Nerven, die fliegenden Händler abzuwehren - höflich und mit einem Lächeln. Indonesien wurde durch die asiatische Wirtschaftskrise besonders hart getroffen, Balis Tourismus durch die islamistischen Attentate von 2002 und 2003.
Kino vs. Sonnenuntergang
In Kuta gibt es ein Cineplex-Kino, der Eintritt ist mit etwa 90.000 Rupiah (8 Euro) relativ hoch. Die Filme laufen auf Englisch mit indonesischen Untertiteln - kostenloser Sprachunterricht.
Einer Theatervorstellung am nächsten kommt ein traditioneller Barong-Tanz (50.000 Rupiah). Farbenprächtige Kostüme und der klassische Konflikt zwischen Gut und Böse als Handlungsschema zeigen Bali von seiner spirituellen Seite.
Bei Studenten um einiges beliebter ist der immer wieder atemberaubende Sonnenuntergang an diversen Traumstränden (etwa in Jimbaran) oder Klippen-Landschaften (Ulu Watu) - visuelle Feinkost, ganz umsonst. Das Bier dazu aus dem Minimarkt kostet 60 Cent.
Bier und alles, was mit dem lokalem Reis- oder Kokosnuss-Schnaps Arrak gemischt wird, ist sehr günstig: Selbst in angesagten Bars kostet das kleine Bintang (DIE balinesische Biermarke) nie mehr als 25.000 Rupiah, der ArrackAttack (Arrack als Longdrink mit Fruchtsäften) allerhöchstens 35.000 Rupiah (3 Euro). In lässigeren Surferbars geht der Preis in den Keller, ab 8000 Rupiah bekommt man ein kleines Bier.
Alles, was importiert werden muss, ist wesentlich teurer: Eine Flasche Finlandia Vodka gibt es erst ab 12 Euro im Supermarkt, westliches Bier oder ein anständig gemischter Cocktail kosten ähnlich viel wie in Deutschland, von französischem Rotwein ganz zu schweigen (ab 150.000 Rupiah die Flasche).
Ausgehen kann man in Kuta vortrefflich. Dort reihen sich stilvolle Bars wie die "Sky Garden Lounge" und grelle Ballermänner (besser meiden: Großraumclubs mit hohem Prostituiertenanteil wie das "Bounty") aneinander. Auch etwas weiter nördlich in Legian und Seminyak ist etwas los: Die zum Strand hin offenen Clubs brummen fast bis zum Sonnenaufgang.
Der Eintritt ist selbst in hochklassigen Läden mit internationalem DJ-Booking günstig, im legendären Doublesix (Legian Beach) knapp 50.000 Rupiah mit einem Getränk inklusive. Meist kostet es gar nichts - einheimische Begleitungen einzuladen, ist sowieso Ehrensache.
Internet
Es gibt eine Reihe von Internetcafes und Hot-Spots, die unterschiedlich schnell laufen und meist kostenlos sind. In reinen Telefonshops bezahlt man etwa 2500 Rupiah (20 Cent) die Stunde. Die Verbindung ist allerdings quälend langsam.
Nasi, Bami, Fusion
Kulinarisch ist Bali ein Schlaraffenland: Schon für 3000 Rupiah bekommt man an einem typischen Straßenstand (oft ein Motorrad mit aufgebauter Miniküche) eine schöne Portion Nasi Goreng. Für einen Euro kann man in einem einfachen Warung (Bistro) aus teilweise erstklassigen lokalen Spezialitäten wählen.
Etwas teurer ist es in den gehobenen indonesischen Restaurants: Pizza, Burger oder Indo-Spezialitäten wie Garnelen vom Seafood-Grill kosten 20.000 bis 40.000 Rupiah. Auch die Getränke sind günstig: Wasser 3000, Cola 6000 Rupiah und ein frischer Fruchtsaft 10.000. Kennt man sich ein wenig aus und meidet die touristischsten Ecken, kommt man am Tag mit 60.000 Rupiah (5 Euro) für exotische Leckereien aus.
Kaum grammatische Regeln, keine Konjugationen oder Deklinationen und viele Wörter, die aus dem Englischen und Holländischen stammen: Indonesisch lernen ist nicht schwer. Es gilt die Formel: Pronomen + Verb + Objekt. Verwendet man alles in seiner Grundform, bildet man schnell einen korrekten Satz. Einige nützliche Beispiele:
  • Ada apa dengan cinda? - sinngemäß: "Was macht die Liebe?" (Titel eines Liebesfilm-Klassikers und sehr brauchbar zum Kennenlernen)
  • Itu mahal sekali! Saya tidak gila, atau kamu bercanda? - "Das ist sehr teuer! Ich bin doch nicht verrückt, oder machst du Witze?" (Beim alltäglichen Handeln ist sowohl Chuzpe als auch Humor unverzichtbar.)
  • Ombuk bagussekalihari ini, mau berselancar! - "Die Wellen sind heute richtig schön, ich will surfen!" (Das ganze Jahr über surfbare Wellen - wo liegt noch mal Hawaii?)
  • Kupul-kupul malam - "Schmetterling der Nacht" (= Prostituierte. So nett sie auch lächeln mögen - viele nächtliche Bekanntschaften interessiert nur der westliche Geldbeutel)
  • Terimah kassieh, saya tidak mau beli sarong (baju/kaca mata) ini. - "Vielen Dank, ich möchte diesen Sarong (Shirt/Sonnenbrille) nicht kaufen." (In Bali kommen auf jeden Touristen zwei Straßenhändler mit recht offensiver Geschäftspolitik und immergleicher Warenpalette.)
  • Ini sangat taja, sayaterbakar! - "Das ist zu scharf, ich verbrenne!" (Steht auf der Speisekarte "Original Indonesian spicy", sollte man das ernst nehmen)
  • Mau tinggal sini selamanya. -"Ich will für immer hier bleiben." (Auswanderungsgelüste sind nach einem Semester Bali fast garantiert)