self portrait Wolfgang Widmoser

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Wolfgang Widmoser kam einen langen Weg und einen sehr traditionellen. Geboren in München in den frühen 50ern erscheint er gerade rechtzeitig um die schwierige intellektuelle Szene mitzuerleben, die wir heute als die Zeit der Studentenrevolution bezeichnen. Um Kunst zu studieren trifft Wolfgang eine Wahl die manchen seltsam erscheinen mag...

Er geht nach Wien wo Ernst Fuchs als lebende Antithese zur reduktionistischen und politisierenden offiziellen Kunstszene Deutschlands agiert. Fuchs repräsentiert die Schule der schwelgenden luxuriösen Anarchie, gleichzeitig bürgerlich und nihilistisch; eine sehr österreichische Tradition. Fuchs verlangt von seinen Studenten wie italienische Meister zu malen, mit Eitempera zu höhen und Ölfarbe zu lasieren. Hier lernt Wolfgang über feine Abstufungen, Schatten und Lichter.

Als Meisterschüler wird er von Fuchs für einige Wochen nach Cadaques in Spanien geschickt um bei Salvador Dali zu studieren. Jahre ausgedehnter Reisen und Suche folgen. Nach einigen abenteuerlichen Exkursionen bei denen er unter anderem mit einem Freund eine Ausstellung in der Altonaer Fabrik in Hamburg mit Farbbomben angreift verlässt der Künstler seine Heimat in einer sehr klassischen und deutschen Art.

Wolfgang geht nach Süden, nach Italien, einer alten Tradition seit J.W. Goethe Zeiten folgend. Er suchte das Licht und die Leichtigkeit des Seins im Land der Zitronen, obligatorisch für Dichter und Maler.

Auf dem Weg macht er Station in der Schweiz. Dort malt er die Struktur der Steine, bewaldeter Abhänge und reißender Bergbäche von seinem Fenster aus mit einer hartnäckigen Akribie die mit seinen bayerischen Wurzeln erklärt werden mag. Wolfgang liebt das Detail und wie man so schön sagt liegt darin der Teufel begraben ... immer wieder malt er die selben Gegenstände, Felsen, Nachtfalter, Äpfel und später Muscheln, die er in Australien und Bali findet. Später dann in Italien werden seine Farben heller und die Formate grösser.
Als Wolfgang nach Bali umsiedelte geschah dies zunächst mehr aus praktischen Gründen. Für die Souvenir-Kultur der Insel der Götter hat er wenig Verständnis. An derartiger Folklore und romantischer Verklärung ist er weniger interessiert. Gleich Gauguin in Tahiti sah er hinter der bukolischen Idylle eine härtere Wirklichkeit, es gibt auch Armut und Krankheit, ein "verlorenes Paradies".

Ausdauernd malt Wolfgang eine Serie von Stilleben bis er Fotos von bemalten Gesichtern aus Neuguinea entdeckt, die ihn bis zur Besessenheit verfolgen. Grosse Formate zeigen diese Gesichter als Landschaften. Bald entdecken Sammler und Galerien die ausserordentliche Qualität von Wolfgangs Arbeiten. Er stellt in München, Zürich, Mailand, Melbourne, Tokio und Hongkong aus und Kunstliebhaber bestellen Wandmalereien im Freskostil für ihre Villen und Appartements. Auch entwirft er fantasievolle, futuristische Gebäude aus Bambus und Zeltmaterial, inspiriert von Frei Otto und dabei auch mit dieser allumfassenden Auffassung von Kunst den Spuren des berühmten Deutschen Walter Spiess folgend, der in den dreissiger Jahren Ubud zu seiner Wahlheimat gemacht hatte.

Jetzt verfolgen Wolfgangs Arbeiten eine andere Richtung. Inspiriert von den Menschen in Bali und insbesondere aus der Gegend um Ubud, seiner Familie und der erbaulichen Umgebung des Künstlerdorfs wendet er sich neuen und erregenden Territorien zu. Seine neueren virtuell-realistischen Gemälde von Wasserlilien oder seine balinesischen Mädchenköpfe geben davon beredtes Zeugnis. Wolfgang sieht sich mehr und mehr zu einem Phänomen hingezogen, das wir etwas altmodisch mit "Schönheit" bezeichnen.

Wolfgang Widmoser verteidigt fanatisch die klassische Malweise mit Pinsel (und Zerrspiegel) und doch sieht er die Welt mit den Augen des 21. Jahrhunderts - ein Mann der Renaissance im Zeitalter der wissenschaftlichen Entdeckungen.

Basierend auf einem Artikel von Stefan Reisner - Editiert und aktualisiert von Humphrey Smith
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